Datenschutz-Panne bei HNA.de: Email-Adressen veröffentlicht

Ein Leser der HNA und treuer Tippgeber von Lokalzeitungskritik schrieb uns eine Email, in der er berichtete, im Formular für die Newsletter-Eintragung auf hna.de würden immer wieder fremde Email-Adresse erscheinen. Das sah dann zum Beispiel so aus:

Email-Adresse in Newsletter-Formular auf hna.de

(Unkenntlichmachung durch Lokalzeitungskritik)

Zuerst konnten wir nicht recht glauben, dass es sich dabei um einen Fehler der HNA handelte, da wir das Problem nicht auf Anhieb reproduzieren konnten. Wir vermuteten daher die automatische Ausfüll-Funktion des Browsers hinter der Eintragung.

Der weitere Mailverkehr mit unserem Tippgeber machte uns aber stutzig. Er berichtete, das Problem trete nicht nur auf einem Computer mit einem Browser auf, sondern auch auf anderen PCs mit ganz anderen neu eingerichteten Browsern. Und er gab uns einen entscheidenden Hinweis: Es habe wohl irgendetwas mit Disqus, dem Kommentarsystem der HNA, zu tun. Denn wenn er nicht angemeldet sei, würden ihm auch keine Mailadressen angezeigt.

Ein erster Versuch mit dem Disqus-Profil von Lokalzeitungskritik brachte allerdings kein Ergebnis. Nach einigem Ausprobieren (wir Informatikheinis nennen dieses ziellose Rumgefummel vor Kunden meist “exploratives Testen”) kamen wir dann aber drauf: Nicht eine Anmeldung mit einem Disqus-Profil, sondern mit einem HNA-Benutzerkonto auf der Webseite brachte das Ergebnis: Eine fremde Mailadresse im Formular.

Nach weiterem Rumgefummel explorativem Testen wurde klar: Email-Adressen von kürzlich angemeldeten Nutzern werden allen angemeldeten Nutzern auf hna.de angezeigt. Nach dem Anmelden mit einem Testkonto bekamen wir die dort verwendete Email-Adresse bei der Nutzung anderer Benutzerkonten im Newsletter-Formular angezeigt:

Email-Adresse in Newsletter-Formular auf hna.de

Ein Blick in den Quelltext der Seite zeigte, dass die Email-Adresse direkt im HTML als Wert in das Formular eingefügt wurde. Der Fehler muss also irgendwo im Quellcode des Content Managament Systems der HNA liegen, mit dem die Artikel und Benutzerkonten verwaltet und die Webseite zusammengebaut wird.

Die Panne in der Verwaltungssoftware ist natürlich datenschutzrechtlich relevant, verspricht die HNA doch einen verantwortungsbewussten Umgang mit personenbezogenen Daten:

Wir verwenden Ihre personenbezogenen Daten nur dazu, Ihnen die von Ihnen gewünschten Dienste zur Verfügung stellen und aufrechterhalten zu können.
Eine darüber hinausgehende Nutzung erfolgt nur, wenn Sie in diese Nutzung eingewilligt haben.

Die Email-Adressen ließen sich leicht automatisiert sammeln und für (illegale) Werbung, aber auch für Phishing-Attacken nutzen. Bei Nutzern mit eigener Domain (das nach dem “@”) in der Email-Adresse lassen sich sogar mit ein paar Klicks der volle Name und die Anschrift über eine Whois-Datenbank ermitteln, in der Informationen zum Domaininhaber gespeichert sind.

Wir hoffen deshalb auf schnelle Fehlerbehebung durch die HNA. Seit gestern 18.30 Uhr ist die HNA-Online-Redaktion über den Sachverhalt informiert.

Richtigstellung: HNA plagiiert NICHT fehlerhaften Wikipedia-Artikel

Am Samstag hatte ich hier der HNA unterstellt, sie hätte aus dem Wikipedia-Artikel des Landkreises Kassel eine Passage – die ich als fehlerhaft erachte – übernommen.

Richtig ist laut HNA:

die Informationen zur Fällung der Donar-Eiche im HNA-Artikel stammten nicht aus der Wikipedia, sondern von der Online-Seite des Landkreises Kassel – diese offizielle Stelle hat nach eigenem Bekunden auch die entsprechenden Wikipedia-Informationen und damit den Fehler dort eingefügt.

Wir bedauern, dass dieser Fehler auch in der HNA aufgetaucht ist – weisen aber darauf hin, dass wir keineswegs Wikipedia-Informationen ohne Prüfung übernommen haben – sondern vielmehr offizielle Informationen des Landkreises erst einmal als korrekt annehmen können müssen. Die Behörde wurde von uns auf den oben genannten Fehler in ihrer Publikation hingewiesen.

Antworten des Chefredakteurs

HNA-Leser sind dieser Tage aufgerufen Fragen zum Redaktionsalltag zu stellen. Einfach eine Mail an online@hna schreiben und der Chefredakteur antwortet. Und das geht sogar richtig schnell. Wir hatten vorhin diese Möglichkeit des HNA-Leserdialoges genutzt. Knapp eine Stunde später war die Antwortmail im Posteingang:

Frage 1:
Der Redaktionsalltag ist sicherlich ab und zu von Hektik geprägt. Wie versucht die HNA-Redaktion hierbei mögliche Fehler zu vermeiden, bzw. zu korrigieren? Könnten Sie hier kurz den Prozess des Redigierens erläutern?

Antwort von Horst Seidenfaden, Chefredakteur:

Zunächst einmal ist jeder Redakteur für seinen Text oder den eines freien Mitarbeiters, den er bearbeitet, verantwortlich. Gegenlesen, Rechtschreibprogramm – alles eine Selbstverständlichkeit. Dazu kommt das Vier-Augen-Prinzip – ein Kollege schaut also ebenfalls über den Text. In vielen Bereichen haben wir zusätzlich ein Korrektorat, hinzu kommt eine abendliche Blattschau, bei der die Redaktionen komplett die ausgedruckten Seiten begutachten, Überschriften, Bildunterschriften lesen etc.
Dass trotzdem Fehler veröffentlicht werden ist sicherlich kaum zu vermeiden. manche entstehen beim Korrigieren selbst, andere dadurch, dass man (besonders bei Überschriften!) über Fehler hinweg liest, weil man weiß, wie der Text lauten soll. Wie auch immer: Im Idealfall ist das ein funktionierendes System.

Frage 2:
Bei den Online-Artikeln können Leser die Beiträge meist direkt kommentieren. Nach welchen Kriterien werden diese freigeschaltet, bzw. gesperrt? Wie wird mit gemeldeten Kommentaren verfahren? Wer administriert eigentlich die Kommentarfunktion?

Antwort von Horst Seidenfaden, Chefredakteur:

Wir bekommen am Tag zwischen 800 und 1000, manchmal sogar mehr, Kommentare zu Online-Artikeln. Ein Kollege der Online-Redaktion schaut sich das an, alles, was in einer demokratischen Meinungs-Bandbreite liegt, wird auch veröffentlicht. Die Kommentarfunktion sperren wir zunehmend bei Ereignissen wie Unfällen – bei so tragischen Vorfällen gibt es einfach nichts Vernünftiges zu kommentieren.

Fragen zum Redaktionsalltag der HNA

Aktuell bietet die Kasseler Lokalzeitung HNA die Möglichkeit Fragen zum Redaktionsalltag zustellen:

Sie wollten schon immer einmal wissen, wie ein typischer Tag in der HNA-Redaktion aussieht? Es interessiert Sie, wie Themen gefunden und recherchiert werden? Dann fragen Sie!

Fragen können drei Tage lang per Mail an online@hna.de gestellt werden. Sie werden dann von Horst Seidenfaden beantwortet. Dies geht aus einem kurzen Online-Artikel hervor. Auch lokalzeitungskritik.de hat diese Möglichkeit genutzt und wartet sehnsüchtig auf die Beantwortung dieser Frage:

Sehr geehrte Damen und Herren, Sehr geehrter Herr Seidenfaden!

Über die HNA-Idee „Leser fragen den Chefredakteur“ freue ich mich sehr. Daher zwei Fragen:

1.: Der Redaktionsalltag ist sicherlich ab und zu von Hektik geprägt. Wie versucht die HNA-Redaktion hierbei mögliche Fehler zu vermeiden, bzw. zu korrigieren? Könnten Sie hier kurz den Prozess des Redigierens erläutern?

2.: Bei den Online-Artikeln können Leser die Beiträge meist direkt kommentieren. Nach welchen Kriterien werden diese freigeschaltet, bzw. gesperrt? Wie wird mit gemeldeten Kommentaren verfahren? Wer administriert eigentlich die Kommentarfunktion?

So verbleibe ich bei diesem winterlichen Wetter mit besten Grüßen,

Lukas Kiepe

Gutes Neues!

Lokalzeitungskritik.de meldet sich zurück aus der Winterpause. Ich hoffe, dass Sie alle gut ins neue Jahr gekommen sind. Besonders freue ich mich auf den neuen HNA-Jahrgang. Und natürlich auch auf die Online-Artikel bei HNA.de.

HNA.de scheint gut zu laufen. Monatlich gibt es inzwischen mehr als 3 Millionen Besuche, wie Anfang Dezember zu lesen war. Bei dem Artikel mit den Rekordzahlen hat sich der Redakteur übrigens selber interviewt. Fällt auf, wenn man das Kürzel am Artikelende beachtet.

Mich freut das alles. Geht’s der HNA gut, geht’s lokalzeitungskritik.de gut. Denn das heißt schön viele Artikel. Schön viele Artikel bedeuten ein paar Fehler. Und ein paar Fehler in der HNA bedeuten Inhalte für lokalzeitungskritik.de.

Ich empfehle noch Seite 31 (Kassel-Mitte) der letzten HNA-Ausgabe 2012. Dort sind lauter Stilblüten des Jahrganges 2012 abgedruckt (die wir überlesen haben).

Mein Favorit vom 13.12.2012:

„Insgesamt wurden gestern in Kassel 32 Ehen vollzogen“ – Sex im Standesamt.

Alles Beste fürs neue Jahr,
Lukas Kiepe