Hate-Commentary: Veranstaltung über digitale Stammtischparolen bei hna.de

Der Verein „Die Kopiloten e.V. – Politische Bildung im kommunalen Raum“ hat im Rahmen eines Workshops die Auseinandersetzung mit und Analyse von Kommentaren auf hna.de angeregt, um so ihre eigentliche Intention zu entlarven. Laut Veranstaltungsankündigung seien viele Kommentare bei HNA Online islamophob,  ausländerfeindlich, rassistisch, völkisch und „vor allem: nicht unbedingt differenziert.“

Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 29. April, um 19 Uhr in der Caricatura Bar im Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1, statt. Bereits 2012 hatten wir hier im Blog einige Leser-Kommentare analysiert:
Populismus im HNA-Forum
(Rechts-)Populismus auf hna.de

Terror! Panik! Vorratsdaten!

Am 15. Dezember 2014 war sich Heiko Maas noch sicher: Heiko Maas über die Vorratsdatenspeicherung (Twitter): #VDS lehne ich entschieden ab - verstößt gg Recht auf Privatheit u Datenschutz. Kein deutsches Gesetz u keine EU-RL! Was ihm in den folgenden drei Monaten das Rückgrat verflüssigte ist unbekannt, aber er hat die Vorratsdatenspeicherung durch die Umetikettierungsmaschine gejagt und findet sie nun doch ganz gut. Die Vorratsdatenspeicherung kommt.

Die HNA veröffentlichte am 16. April einen Kommentar zur Vorratsdatenspeicherung ohne Autorennennung, dem Teaserbild zufolge dürfte es sich um Werner Kolhoff handeln, der als Korrespondent der “Berliner Medien Service GmbH” arbeitet, einem News Pool verschiedener Regionalzeitungen.HNA-Kommentar zur VorratsdatenspeicherungWerner Kolhoff meint:

Für die Vorratsdatenspeicherung gibt es allerdings ein sehr starkes Argument: Das ist die Bedrohung vor allem durch Terroristen.

Hilft die Vorratsdatenspeicherung gegen Terrorismus? Klar hilft sie, behaupten viele Politiker reflexhaft nach einem Anschlag. Zum Beispiel gegen die NSU, meint Sigmar Gabriel, bleibt den Beweis aber schuldig und ignoriert die schon tiefe Involvierung des Verfassungsschutzes. Was V-Leute nicht schaffen (Anschläge verhindern oder zumindest bemerken, wenn sie am Tatort sind), schafft die Vorratsdatenspeicherung doch sicher. Sie war außerdem supernützlich bei der Aufklärung der Anschläge in Norwegen, das weiß Gabriel, ignoriert allerdings, dass es 2011 keine Vorratsdatenspeicherung in Norwegen gab. Tatsächlich gibt es bis heute keinen Fall, in dem die Vorratsdatenspeicherung zur Verhinderung von Anschlägen geführt hat.

Trotzdem zieht Werner Kolhoff folgendes Fazit:

Jene, die die Vorratsdatenspeicherung komplett ablehnen, müssen sich deshalb die Frage gefallen lassen, ob ihr striktes Nein auch den Tag nach einem großen Anschlag überstehen würde.

Gabriels Äußerungen zeigen: Es hat eine Grund, warum Gesetze nicht den Tag nach einem großen Anschlag gemacht werden sollten: Die Gefahr populistischer Schnellschüsse, die in emotionalen Situationen keine vernünftige Rechtsabwägung erlauben. Und damit hat Herr Kolhoff doch einen Punkt: Die Befürworter der Vorratsdatenspeicherung müssen sich die Frage gefallen lassen, ob ihr Nein zum Anlegen von Bewegungsprofilen, zur Abfrage bei minderschweren Straftaten, zur Abfrage ohne Richtervorbehalt oder der Rasterfahndung auch den Tag nach einem großen Anschlag überstehen würde.

noKAGIDA (10): „HNA genauso schlimm wie KAGDIA“

Mitte Februar war in der HNA zu lesen:

Stattdessen sagt er: „Die HNA ist genauso schlimm wie Kagida.“

Ein bisschen weit hergeholt, diese Kritik an der HNA? Naja, dachte ich mir, als ich diese Interview-Frage in der Wochenend-Ausgabe entdeckte:

hna_islam_feindlichkeit

7. Frage im Interview „Das ist Dschihad-Romantik“ vom 28.02.2015

Und ich dachte immer, in Deutschland garantiere Art. 4 GG die Religionsfreiheit (auch für Jugendliche, die sich dem Islam zuwenden wollen).

Gefunden hier:
Hess. Allgemeine, Seite 19 Politik: „Das ist Dschihad-Romantik“

Da freue ich mich doch schon auf das heute beginnende Praktikum bei der HNA. Hier die passende Karikatur zum Verhältnis Islam und Islamismus:

noKAGIDA (9): Steinigung ist keine Kritik

Im Juli/August 2014 soll sich der „Kagida-Chef“ antisemitisch geäußert haben. Seit November ermittelt die Staatsanwaltschaft Kassel wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Seit 24.12.2014 kann jeder, der googeln kann, den betreffenden Facebook-Post nach lesen. Und heute, Mittwoch 18. Februar 2015, steht auch in der HNA:

„Bei Staatsanwaltschaft läuft Verfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Michael Viehmann“

Schade, dass die HNA seit Anfang Dezember diesem Antisemiten und seinen Anhängern ein Publikum geboten hat, ohne die Leser richtig über die Kagida-Bewegung aufzuklären. Dies kann passieren, wenn man schwer von Begriff ist:

Merkelsschädel

Kritik an Angela Merkel? Wohl eher ein Mordaufruf!

So, so in dem Facebook-Posting wird laut HNA Kritik an der Bundeskanzlerin geäußert. Ich zitiere aus dem gleichen Posting: „Frau Merkel, man sollte dich steinigen du Vieh„.

Die HNA hat einen wirren Kritik-Begriff: Steinigung ist keine Kritik.

Das nordhessische Blatt tat sich angesichts dessen in der Berichterstattung darüber vor allem dadurch hervor, dass sie die Kagidaaufmärsche und die Gegenveranstaltungen als Verkehrsproblem beschrieb, dass sie dem Anführer der nordhessischen Kagida, ein übler Antisemit und rechtsextremer Haudrauf, Platz gab, davon zu schwadronieren, mit Nazis nun gar nichts am Hut zu haben. (Quelle)

Was die HNA sieht die rassistische Mobilmachung am Montagabend überwiegend als Verkehrshindernis? Nicht doch! Achso heute Thema auf der Titelseite, mit Kommentar und komplett Seite 2. Das der Veranstalter Antisemit mit Ermittlungsverfahren ist, rutscht da mal schnell auf Seite 3.

Gefunden hier:
Hess. Allgemeine vom 18. Februar 2015, Seite 3: Ermittlungen gegen Kagida-Chef

noKAGIDA (8): HNA-Bashing und abwegige Vorwürfe

HNA-Bashing finden einige gut. Anlässlich der Karnevals-Saison zeigen wir, über was wir lachen können und über was nicht:

Witzig:

Bei allem HNA-Bashing sollte die dabei vorgetragene Kritik immer eine Berechtigung haben. Gerne darf und soll die HNA für ihre Berichterstattung über die (no)KAGDIA-Demos kritisiert werden. Die Kritik an diesem Artikel über den „Arbeitskreis Casseler Autonomer Berufsdemonstranten“ (AkCAB) verfängt aber.

  1. Die Kritiker werfen der HNA vor, der Demo-Anmelder werde mit Namen genannt und sei von zwei Reportern angerufen worden. Dieses Vorgehen der HNA ist nicht fragwürdig, sondern wird in Fachkreisen „Recherche“ genannt. Wer eine Demo anmeldet, also die Öffentlichkeit sucht, kann sich nicht über die plötzliche Öffentlichkeit beschweren.
  2. Auch ein Foto, dass einige MitstreiterInnen des Bündnisses zeigt, wird ohne Verfremdung abgebildet„. Auch hier gilt: Wer auf einer Demo die Öffentlichkeit sucht, kann sich nicht über plötzliche Öffentlichkeit beschweren.
  3. Nicht jeder wird gerne angerufen, trotzdem kann man Presseanfragen freundlich ablehnen. Niemand muss am Telefon den Götz von Berlichingen oder Altbundespräsident Christian Wulff mimen. Wer Journalisten sagt: „Sie können mich am Arsch lecken“, sollte sich nicht über schlechte Berichterstattung wundern. Direkt und freundlich geht anders, beispielsweise so: „Mit einer Zeitung, die die rassistische Mobilmachung auf den Straßen Kassels vor allem als Verkehrshindernis wahrnimmt, wollen wir nicht reden. Wenn wir irgendwas für euch haben, lassen wir euch das wissen: Don’t call us, we call you.

Zurück zur Kritik an der HNA, die schreibt:

Der Arbeitskreis scheint eine ähnliche Vorliebe für Kassels historischen Namen mit C wie rechte Gruppen zu haben. Sowohl Neonazi Bernd T. wählte für seine Kameradschaft „Sturm 18 Cassel“ diese Schreibweise als nun auch der „Arbeitskreis Casseler Autonomer Berufsdemonstrant_innen“.

Ah ja, soweit so dumm. Und HNA-Redakteure scheinen eine Vorliebe für die falsch verstandene Extremismustheorie zu haben, die Linke und Rechte gleichsetzt.

Gefunden hier:
HNA.de vom 13.02.2015: Autonome Berufsdemonstranten sind gereizt: „Sie können mich am Arsch lecken“