Doppelmoral Ost-West

Vor wenigen Tagen bot die HNA dem Klagegesang des vernachlässigten Kasseler Ostens (Der Westen hui, im Osten pfui) medial eine Plattform. Unter anderem war zu lesen:

Dort gibt es alles, im Osten fast nichts – obwohl in den vier Stadtteilen Bettenhausen, Waldau, Forstfeld und Unterneustadt annähernd 26 000 Menschen leben. […] Ein Bürgerhaus gibt es nur in Waldau, westlich der Fulda sind es sechs Häuser.

Wer rechnen kann ist klar im Vorteil. Zwar drückt die HNA für den Osten auf die Tränendrüse, aber der Ost-West-Vergleich zeigt:

Straßen_Unterneustadt

Zustand der Straßen in der Unterneustadt

Einwohner: ~ 26 000   ~ 169 000
Stadtteile:           4               19
Bürgerhäuser:    1                6

Im Westen gibt es pro 28 000 Bürger ein Bürgerhaus, im Osten schon für unter 26 000.

Heute ist das Thema in der HNA: „Die Hälfte der Kasseler Straßen ist kaputt“. Hier hätte die Redaktion mal quantifizieren können, wie stark benachteiligt die vier Ost-Stadtteile sind. Das hat die HNA aber nicht gemacht. Dabei ist es leicht die kaputten Straßen zu quantifizieren. Stattdessen finden sich dort fünf Fotos von kaputten Straßen. Hier die Bildunterschriften:

 

  1. Auch die Heinrich-Heine-Straße im Auefeld weist erhebliche Schäden auf.

  2. Herkulesstraße im Vorderen Westen: Das Schlagloch ist acht Zentimeter tief.

  3. Zentgrafenstraße im Stadtteil Kirchditmold: Der bevorstehende Winter mit den steten Wechseln von Frost und Tauwetter wird solche Straßenschäden noch vergrößern.

  4. Der Wilhelmshöher Weg in Harleshausen ist mit zahlreichen Schlaglöchern übersät.

  5. Der Frasenweg in Kirchditmold ist streckenweise ein löchriger Flickenteppich.

Um im sprachlichen Bild der HNA zu bleiben: Im Westen pfui, den Osten vergessen. Alle fünf Bilder zeigen Straßen im Westteil der Stadt. Ich nenne es: Doppelmoral Ost-West!

Gefunden hier:
Hess. Allgemeine vom 09. Dezember, Seite 2: Die Hälfte der Kasseler Straßen ist kaputt

„Flüchtlinge über Calden ausgeflogen“

Kaum sind die ersten Flüchtlinge aus Syrien in Kassel-Calden gelandet, will die HNA diese wieder loswerden:

Ausgeflogen

Ausschnitt aus der HNA-Titelseite, der lokalzeitungskritik.de per Mail zugesandt wurde

So klingt es zumindest in der oben dargestellten Bildunterschrift. Eigentlich sollten doch weitere Flüchtlinge im November NACH Calden ausgeflogen werden und nicht ÜBER Calden ausgeflogen werden?!

Bleiben wir also gespannt, wer im November über Calden wohin ausgeflogen wird.

Schlussbemerkung: In der Bildunterschrift gibt es eigentlich keine Notwendigkeit für irgendeine Airline Werbung zu machen.

Gefunden hier:
HNA-Titelseite vom 31. Oktober 2013: Titelbild

Weniger unkenntlich ist kenntlich

Weniger ist nicht immer mehr! Bei der Bild-Berichterstattung über Verkehrsunfälle verpixelt die HNA-Redaktion Kennzeichen. Beziehungsweise sie probiert es:

AusschnittKennzeichen_gelb

Ausschnitt aus einem Foto der Fotoserie: Wenig gelungene Unkenntlichmachung – gelber Balken von uns eingefügt.

Am normalen Desktop-PC ist dass Kennzeichen mit etwas Mühe ablesbar. Doch einige HNA-Leser nutzen auch das Smartphone. Auf den kleineren Bildschirmen ist das Foto kleiner und die Verpixelung damit „schwächer“. Wir haben dieses Phänomen simuliert, indem wir die Originalgröße halbiert haben:

AusschnittKennzeichen_kl

gelber Balken von uns

Et Voilà: Für Smartphone-Nutzer sieht es aus, als gäbe es keine Unkenntlichmachung – das Kennzeichen ist problemlos ablesbar. Es verwundert also nicht, dass sich ein Smartphone-Nutzer bei uns über die mangelnde Anonymisierung beschwerte. Zwischenzeitlich hat die Redaktion nachgebessert – und bei der Verpixelung eine Schippe draufgelegt.

Gefunden hier:
HNA.de vom 29. September 2013: Unfall auf der Fünffensterstraße: Fußgängerin schwer verletzt

Feuerwehr sperrte umgehend ab

Seit Sonntag berichtet die HNA mehrfach und detailliert über einen Rettungsdiensteinsatz in Gudensberg. Anlass: Das Gewicht der Patientin. Ich finde die Berichterstattung in mehreren Punkten unangemessen.

Grundsätzlich ist das öffentliche Interesse an einem Krankenhaustransport sehr gering. Um nicht zusagen: gleich null. Sicherlich ist es etwas besonderes, wenn so viel Personal- und Geräteeinsatz für 3 Stunden notwendig ist. Durch die spezielle Situation ist eine geringfügige Berichterstattung (Nachricht!) sicherlich angemessen. Die HNA-Aufmachung ist aber unangebracht!

Die Aktion blieb nicht unbemerkt, zahlreiche Schaulustige kamen zum Einsatzort. Die Feuerwehr sperrten diesen umgehend ab.“ schreibt die HNA. Unverständlich ist es für mich, warum Passenten einige Meter verbannt wurden, der Fotograf aber in unmittelbarer Nähe tätig sein durfte. Grundsätzlich ist bei Rettungseinsätzen die Privatsphäre durch geeignete Mittel zu wahren. Dies bedeutet auch Fotografen fernzuhalten, ggf. Sichtschutz durch Decken zu installieren. Immerhin hatte die HNA genug Anstand die „spektakulärsten“ Bilder nicht zu veröffentlichen und die Bilderstrecke artete nicht so gravierend aus, wie hier verlinkt. Die 28-Bilder umfassende Klickstrecke dient nicht der Information, sondern lediglich der Sensationsbefriedigung.

Durch die Bildberichterstattung verrät die HNA den genauen Wohnort. Diese identifizierende Berichterstattung ist laut Pressekodex unzulässig:

Ziffer 8 – Schutz der Persönlichkeit

Die Presse achtet das Privatleben des Menschen und seine informationelle Selbstbestimmung. […] Bei einer identifizierenden Berichterstattung muss das Informationsinteresse der Öffentlichkeit die schutzwürdigen Interessen von Betroffenen überwiegen; bloße Sensationsinteressen rechtfertigen keine identifizierende Berichterstattung. Soweit eine Anonymisierung geboten ist, muss sie wirksam sein. Die Presse gewährleistet den redaktionellen Datenschutz.

Dass es der HNA an keiner sachlichen Berichterstattung liegt, ist am zweiten Artikel sichtbar. Ungefragt wird die „300-kg-Frau“ von der „9-Leute-Redaktion“ beratschlagt öffentlich bloßgestellt.

Der Artikel in Kürze:

Irgendwann ist man nicht mehr „nur dick“. Dann ist man krankhaft fett. Fettsüchtig. [Das Vorherstehende ist kein Zitat, sondern Redakteurshandschrift, lk! …] Der Frau aus Gudensberg bietet Elke Döring Unterstützung an. „Es kann zu Beginn schon etwas bewirken, wenn sie im Bett damit anfängt, ihre Arme zu bewegen und immer wieder einen Luftballon fängt. […] „Die Feuerwehr könnte schneller helfen, wenn die Frau statt in einem oberen Stockwerk im Erdgeschoss wohnen würde“, sagt David Zerbes, Leiter des Hauptamtes der Stadt Gudensberg und zuständig für die Feuerwehren“

Dass der Redaktion die Privatsphäre der Frau egal ist, offenbart der letzte Absatz. Munter wird aus dem Nähkästchen geplaudert: „Es war bereits das zeite Mal, dass die Feuerwehrleute der Frau zur Hilfe kamen. Bereits vor zwei Jahren habe man ihr aus dem Haus geholfen.“

Gefunden hier:
HNA.de vom 20.10.2013: Feuerwehr rettet 300-Kilo-Frau aus Haus in Gudensberg
HNA.de vom 20.10.2013: Fotos: Feuerwehr rettet 300-Kilo-Frau aus Haus in Gudensberg
HNA.de vom 22.10.2013: Selbsthilfegruppe bietet 300-Kilo-Frau Unterstützung an

Chemie: Versetzung gefährdet!

Kaum hat das Schuljahr begonnen, ist die Versetzung des ersten HNA-Redakteurs schon gefährdet. In der Bildunterschrift zum Artikel „Schaum steht in Flammen“ über Chemie-Versuche im Schülerforschungszentrum steht:

Reagenzglas

Reagenzglas? Unkenntlichmachung von lokalzeitungskritik.de

Diese Art „Reagenzgläser„, die auf dem Bild zu sehen sind, werden allgemein hin als Bechergläser und Erlenmeyerkolben bezeichnet. Vielen Dank für die didaktische Reduktion in der Bildunterschrift.

Gefunden hier:
HNA (KS-Mitte) vom 20. August 2013: Schaum steht in Flammen, Seite 4