Des Kaisers neues Gesicht

Des Kaisers neues Gesicht:

Kaiser_Gesicht

Wolfgang Decker (MdL) alias Bürgermeister Jürgen Kaiser als des Kaisers neues Kleid Gesicht

Wir berichten, wenn die HNA des Kaisers wahres Gesicht gefunden hat.

Gefunden hier:
HNA.de vom 22. Februar 2013: Zahlen zu den Knöllchen: Kaiser vernuschelt Bußgeldgewinn
Nachtrag (13.15 Uhr):
Der Fehler wurde beseitigt und das auch noch transparent ohne die Kommentare der „Korrekturleser“ umgehend zu entfernen.

Deckung, die Decke!

Manchmal fällt der Redaktion die Decke auf den Kopf, denn Lokaljournalismus ist nicht immer spannend. Abhilfe schaffen reißerische Schlagzeilen, so wie:

Decke im Rotenburger Kindergarten St. Georg eingestürzt

Wer jetzt Bilder von zerborstenen Betonstücken im Kopf hat, wird enttäuscht. Was HNA.de meint, zeigt die Bebilderung: Verkleidungsplatten einer abgehängten Leichtbaudecke sind heruntergefallen. Solche Verkleidungsplatten kennen Sie vielleicht aus der Schulzeit: Eine mit dem Besenstil hochgehoben und das Klassenbuch auf eine andere Platte gelegt, schon hatte sich das Problem mit den unentschuldigten Fehltagen erledigt.

Nach Leserkritik wurde die unsachliche Überschrift geändert, jetzt lautet der Titel: Teile der Decke in Rotenburger Kindergarten St. Georg eingestürzt

Fast hätte ich an dieser Stelle die Redaktion gelobt. Aber du sollst den Morgen nicht vor dem Abend die Online-Ausgabe nicht vor der Drucklegung loben:

Deckeneinsturz

Deckeneinsturz? Seite 1 der Hersfelder Zeit mit Text-Bild-Schere

Mit Dank an den Hinweisgeber; Gefunden hier:
Hersfelder Zeitung vom 20.02.2014, Seite 1: Im Kindergarten stürzt die Decke ein
HNA.de vom 19.02.2014: Teile der Decke in Rotenburger Kindergarten St. Georg eingestürzt

Verfahren gegen HNA-Redakteure eingestellt

Bei dem Verfahren gegen die beiden HNA-Redakteure am Donnerstag wurde kurzer Prozess gemacht: Rund 30 Minuten nach Verhandlungsbeginn wurde das Verfahren eingestellt. Frank Thonicke (Leiter der Lokalredaktion Kassel) und Ulrike Pflüger-Scherb („Polizeireporterin“) waren angeklagt bei der Berichterstattung über Missstände in der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden wörtlich aus Akten zitiert zu haben. Dies ist nach Paragraf 353d Strafgesetzbuch verboten. Wir berichteten.

Auf der Anklagebank offenbarten Thonicke und Plüger-Scherb ihre Unwissenheit über diesen Straftatbestand. Den gestanden Lokaljournalisten sei dieser dato unbekannt gewesen. Dies spricht nicht für das journalistische Handwerkszeug der beiden. Aber die Argumentation von Plüger-Scherb und Thonicke vor Gericht zeigt, wie unnütz der Paragraf 353d ist: „Auf den ersten Blick sei auch nicht nachvollziehbar, warum wörtliches zitieren verboten, indirektes aber erlaubt sei, sagte Thonicke.“

Ähnlich argumentiert der Deutsche Journalistenverband (DJV) laut HNA: „Nach Überzeugung des DJV sollte diese Strafvorschrift abgeschafft werden, weil es kaum einen Unterschied machen kann, ob wörtlich zitiert oder umfassend und wahrheitsgemäß berichtet wir“

Im HNA-Kommentar zum Urteil moniert Bastian Ludwig: „Das Verfahren gegen zwei HNA-Redakteure, die aus Ermittlungsakten zitierten, ist „wegen Geringfügigkeit eingestellt“. Keinesfalls geringfügig ist hingegen der Mord im Kasseler Gefängnis, der Auslöser der gestrigen Verhandlung war. Obwohl die Tat anderthalb Jahre her und das Verfahren ohne Konsequenzen für die JVA abgeschlossen ist, gibt es mehr Fragen als Antworten.“ 

Gefunden hier:
HNA.de vom 22. Januar 2013: Verfahren eingestellt: Keine Strafe für HNA-Redakteure
HNA.de vom 23. Januar 2013: „Wichtiges bleibt unklar“ – Kommentar zur Anklage gegen HNA-Redakteure
HNA.de vom 23. Januar 2013: Aus Ermittlungsakte zitiert: DJV fordert Abschaffung der Strafvorschrift

Anklage gegen HNA-Redakteure

Wie am Dienstag bekannt wurde, findet am Donnerstag vor dem Amtsgericht Kassel ein Prozess gegen zwei HNA-Journalisten statt. Am 10. März 2013 hatten der heutige Leiter der Lokalredaktion Kassel-Stadt Frank Thonicke und die „Polizeireporterin“ Ulrike Pflüger-Scherb aus Akten zu einem Totschlag in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Kassel zitiert.

Damals lautete eine Überschrift: Blick in die Ermittlungsakte: Laute Schreie in der Nacht. Die Artikel liegen lokalzeitungskritik.de vor, sind aber online nicht mehr verfügbar. In der damaligen Berichterstattung ist zu lesen: „Der im Gefängnis getötete Janusz W. könnte womöglich noch leben, wenn man alte Akten des mutmaßlichen Täters Michail I. gelesen hätte. Doch niemand schaute sich die Unterlagen an, aus denen hervorgeht, wie gefährlich der Mann ist.“ Dann wurde der Täter anhand seiner Gefängnisakten detailliert als psychisch Kranker charakterisiert und aus den Ermittlungsakten der Mordkommission das Versagen der JVA rekonstruiert.

Laut Anklage verstoße dies gegen den Punkt 3 des Paragrafen 353d des Strafgesetzbuches. Dort heißt es

§ 353d
Verbotene Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen
Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer […] 3. die Anklageschrift oder andere amtliche Schriftstücke eines Strafverfahrens, eines Bußgeldverfahrens oder eines Disziplinarverfahrens, ganz oder in wesentlichen Teilen, im Wortlaut öffentlich mitteilt, bevor sie in öffentlicher Verhandlung erörtert worden sind oder das Verfahren abgeschlossen ist.

An dieser Stelle möchte lokalzeitungskritik.de die HNA und die beteiligten Redakteure und Redakteurinnen zum wiederholten Male ausdrücklich für die hervorragende Berichterstattung über die Zustände in der Kasseler JVA loben. Mit ungebrochenem Elan, Ausdauer und schier unerschöpflicher Geduld berichtet die Kasseler Lokalzeitung seit Jahren über Missstände in der Justizvollzugsanstalt Wehlheiden. Immer wieder gilt beim Aufschlagen der HNA: Täglich grüßt der Sumpf – Neues aus der Anstalt. Rund 6 Monate nach dem oben genannten Totschlag, kurz vor der Berichterstattung mit den Akten-Zitaten, starb ein weiterer Häftling, weil auf einen Notruf nicht reagiert wurde.

Die lange Liste der HNA-Artikel über die Missstände in der JVA zeigt, wie notwendig die Berichterstattung ist:

  1. HNA.de vom 05.03.2011: Sex im Knast? Gefangener ließ sich mit inhaftierter Freundin einschließen
  2. HNA.de vom 15.03.2011: Techtelmechtel im Warteraum – JVA-Beamte müssen Abteilung wechseln
  3. HNA.de vom 10.05.2011: Grüne beantragen Sondersitzung zum Chaos in der JVA Wehlheiden
  4. HNA.de vom 16.05.2011: Chaos im Gefängnis: Jetzt gibt es Konsequenzen – Ministerium weist Vorwürfe zurück
  5. HNA.de vom 17.05.2011: Nach Artikel über Zustände im Knast: Justizbehörde will Maulwurf aus JVA finden
  6. HNA.de vom 19.05.2011: Kein Hessen-Fernsehen mehr im Knast: Absicht oder technischer Defekt?
  7. HNA.de vom 25.05.2011: Suche nach Maulwurf: JVA-Leitung überprüft E-Mails
  8. HNA.de vom 26.05.2011: JVA: Piraten für Schutz von Hinweisgebern
  9. HNA.de vom 15.06.2011: Anstaltsbeirat zu den Zuständen in JVA-Wehlheiden: „Es läuft nichts aus dem Ruder“
  10. HNA.de vom 14.12.2011: Heroin im Hohlraum
  11. HNA.de vom 21.02.1012: Wehlheider Gefängnis: Akten wurden zu Schmierzetteln
  12. HNA.de vom 04.04.2012: Prozess um Weitergabe von Gefängnis-Interna: Schickte JVA-Chef Spitzel ins Gericht?
  13. HNA.de vom 30.05.2012: Neue Vorwürfe zur JVA Wehlheiden: Stationen ohne Wachbeamte?
  14. HNA.de vom 30.05.2012: Umfrage unter JVA-Angestellten: Miese Noten für den Chef
  15. HNA.de vom 30.05.2012: Missstände im Gefängnis Wehlheiden: Minister soll aufklären
  16. HNA.de vom 06.06.2012: Interview: Justizminister Jörg-Uwe Hahn sieht keine Engpässe in JVA Wehlheiden
  17. HNA.de vom 06.06.2012: Justizminister weist Kritik an Missständen in JVA Wehlheiden zurück
  18. HNA.de vom 07.06.2012: Probleme in der JVA Wehlheiden: Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft
  19. HNA.de vom 12.06.2012: Neue Vorwürfe aus Kasseler JVA: Gefangene sich selbst überlassen
  20. HNA.de vom 26.07.2012: Gefangener schlug JVA-Beamten und brach ihm das Jochbein
  21. HNA.de vom 19.09.2012: Wehlheider Gefängnis: Mann wird tot in Zelle gefunden
  22. HNA.de vom 21.09.2012: Totschlag in JVA Wehlheiden: Haftbefehl erlassen
  23. HNA.de vom 27.09.2012: Totschlag in JVA Wehlheiden: Tatverdächtiger war psychisch auffällig
  24. HNA.de vom 04.12.2012: JVA Wehlheiden: Nachts nur zwei Pfleger im Knast
  25. HNA.de vom 14.01.2013: JVA-Pannen: Maulwurf bleibt unerkannt, Vorwürfe gegen Staatsanwaltschaft
  26. HNA.de vom 06.03.2013: Keine Reaktion auf Notruf: Häftling starb in Wehlheiden
  27. HNA.de vom 07.03.2013: Toter Häftling in JVA: Versehen folgte auf Versehen
  28. HNA.de vom 08.03.2013: Enthüllung: JVA-Toter war ein wichtiger Zeuge
  29. HNA.de vom 10.03.2013: Toter in der JVA: Häftling wurde Opfer eines Gewalttäters
  30. HNA.de vom 10.03.2013: Blick in die Ermittlungsakte: Laute Schreie in der Nacht
  31. HNA.de vom 11.03.2013: Gewaltverbrechen hinter Gittern: Verdächtiger hat laut Akte Psychose
  32. HNA.de vom 12.03.2013: Todesfall im Wehlheider Gefängnis: Justizminister schweigt
  33. HNA.de vom 13.03.2013: Tod in JVA: Anzeige wegen fahrlässiger Tötung
  34. HNA.de vom 15.03.2013: Gefangener tot in JVA gefunden
  35. HNA.de vom 17.06.2013: Täter gesteht Tötung in Kasseler Gefängnis
  36. HNA.de vom 20.06.2013: JVA-Wehlheiden-Prozess: Ältere Akten liegen im Keller
  37. HNA.de vom 20.06.2013: Tod in Zelle: Beamten tragen keine Mitschuld
  38. HNA.de vom 28.06.2013: Krasse Fehldiagnose im Gefängnis: Janusc W. wurde brutal getötet
  39. HNA.de vom 01.07.2013: Prozess um Tod von Janusc W.: Angeklagter war schuldunfähig
  40. HNA.de vom 09.07.2013: Anwälte haben „düsteres Bild“ der JVA Kassel
  41. HNA.de vom 11.07.2013: Tod in der JVA: Ukrainer kommt in Psychiatrie
  42. HNA.de vom 17.07.2013: Drogen in Kasseler Gefängnis entdeckt
  43. HNA.de vom 23.10.2013: Tod im Wehlheider Knast ohne Folgen
  44. HNA.de vom 21.01.2014: Aus Ermittlungsakten zitiert: Prozess gegen HNA-Redakteure

Der Prozess ist zumindest ein schlechtes Zeichen für die Pressefreiheit und die investigative Tätigkeit der nordhessisches Regionalzeitung. Frank Thonicke und Ulrike Pflüger-Scherb wünsche ich viel Erfolg für die Verhandlung am Donnerstag, den 23. Januar 2014 ab 9 Uhr im Raum D 112 des Amtsgerichts Kassel. Im Falle einer Verurteilung droht den Redakteuren eine Geld- oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Am 11. März 2013 schrieb Frank Thonicke in seinem Kommentar „Zum Tage“:

Wenn ein einziger Blick in alte Akten vielleicht Leben retten kann und man versäumt ihn, dann dürfen keine Entschuldigungen mehr gelten. Gefordert ist jetzt das Justizministerium in Wiesbaden. Der Skandal schreit nach Konsequenzen.

Die notwendigen Konsequenzen wurden augenscheinlich nicht gezogen. Diese sollen jetzt auf Journalisten abgewälzt werden, die nur die Wahrheit veröffentlichten.

Gefunden hier:
HNA.de vom 21. Januar 2013: Aus Ermittlungsakten zitiert: Prozess gegen HNA-Redakteure

Augenarzt? Nein!

Philipp Rösler ist kein Augenarzt, auch wenn dies häufig in Medien behauptet wird. In diesem Punkt ist die HNA gut informiert. Das heißt: Lob für die Redaktion.

Viele andere Medien lagen mit der Augenarzt-These schon falsch. Die HNA griff heute diesen „Augenarzt-Mythos“ im Politik-Teil auf:

Was wird aus dem bisherigen Parteichef des abgewählten Koalitionspartners – wird Philipp Rösler jetzt Augenarzt?

Wohl kaum. Seine Facharztausbildung zum Augenarzt brach er aufgrund der FDP-Parteikarriere ab.

Lokalzeitungskritik.de hat etwas im Archiv gekramt und konnte auch in den alten HNA-Ausgaben keinen solchen Fehler finden. Lokalzeitungen sind also nicht in allem schlechter als die „Großen“ (hier: FAZ, taz, Spiegel, WELT und Co.). Gut informierte Redakteure sind viel wert.

Gefunden hier:
HNA.de vom 24. September 2013: Fahrplan zur Regierungsbildung: Zuletzt hat es 65 Tage gedauert

P.S.: Mit Lob will ich in diesem Artikel nicht sparen. In einer Polizeimeldung wurde die Kasseler Schütz-Schule als Gymnasium bezeichnet. Die HNA kopierte diesen Fehler nicht, sondern korrigierte die Angabe hin zur Gesamtschule. Ich freue mich also nicht nur, wenn ich Fehler in der HNA finde, sondern auch wenn mal ein Fettnäpfchen ausgelassen wurde.