„Unfallopfer fuhr trotz Verletzter weiter“

Eine Stilblüte erster Klasse hat gestern die HNA produziert:

Unfallopfer_fuhr_weiterNicht etwa der Unfallverursacher fuhr trotz verletztem Unfallopfer weiter, sondern das Unfallopfer soll vom Unfallort geflüchtet sein. Ja, klar … mal wieder meint die Überschrift das Gegenteil des Artikelinhaltes. In der gedruckten Ausgabe ergeben drei geänderte Buchstaben etwas mehr Sinn:

Ausschnitt_Seite_5_Unfallopfer_fuhr_trotz_Verletzung_weiter

Überschrift in der gedruckten Ausgabe, Seite 5.

Gefunden hier von einem Hinweisgeber:
HNA.de vom 19.05.2014: Unfallopfer fuhr trotz Verletzter weiter: Polizei bittet um Hinweise
Hofgeismarer Allgemeine vom 20.05.2014, Seite 5: Unfallopfer fuhr trotz Verletzung weiter

Plötzlich Redaktionsschluss

Was passiert, wenn der Redaktionsschluss* ganz plötzlich vor der Tür steht? Dann muss der Leser sich wohl ein paar Zahlen denken:

Fdpalter

Dort wo nur Pünktchen sind, sollten wohl Zahlen stehen.

* Ob der Redaktionsschluss oder ein anderer Grund, wie Nachlässigkeit oder Rechercheprobleme schuld ist, ist uns nicht bekannt.

Gefunden hier:
Hessische Allgemeine (KS-Mitte) vom 26. April 2014, Seite 12: Hintergrundkasten zum Artikel SPD – die greise Macht

Verzehnfachung

62 000 Quadratmeter groß, soll laut HNA, das Baugelände einer Firma in der Marbachshöhe sein:

sagaflor6200

Auszug aus dem Artikel

62 000 Quadratmeter groß ist ein Grundstück mit den Maßen 620 x 100 Meter, dies entspricht über 77 Handballfeldern (40 x 20 Meter). Ein bisschen groß für die enge Bebauung der Marbachshöhe. Naja, in der Pressemitteilung ist das Grundstück auch nur ein Zehntel so groß: 6200 Quadratmeter. Letztes Jahr hatte die HNA-Redaktion die PM auch noch richtig verstanden.

Gefunden hier:
Mit Dank an den Hinweisgeber: Hessische Allgemeine (Kassel-Mitte) vom 03. April 2014, Seite 12.

„Hinter vorgehaltener Hand“

Der VW-Konzern bringt ein neues Auto heraus, wie HNA.de berichtet. Über den Hybrid-Golf schreibt die HNA ausführlich. So ist zu lesen:

Über den Preis schweigt der Konzern bislang. Hinter vorgehaltener Hand macht aber die Summe von 35.000 Euro die Runde.

„Hinter vorgehaltener Hand“ soll also von 35 000 Euro die Rede sein. Frei zugänglich ist auf der VW-Webseite die Summe 34.900,00 € zu lesen:

egolf

Gefunden hier (mit Dank an den Hinweisgeber):
HNA.de vom 12.03.2014: Deutschland-Premiere für den neuen e-Golf GTE

Calden: Nein! – Doch! – Oooh!

Vor zwei Wochen berichtete die gedruckte regionale Tageszeitung über die Finanzen der Gemeinde Calden. Auf Grund von Abschreibungen und Zinslasten sei der Haushalt mit über einer Million Euro so belastet, dass die Gemeinde Infrastruktur wie das Freibad oder Gemeindehäuser verkaufen müsse. Heute berichtet die Zeitung dann davon, wie sehr der Flughafen Kassel-Calden die Gemeinde finanziell belastet. Da bleibt wohl nur Louis de Funès und Bernard Blier in Camouflage – Hasch mich, ich bin der Mörder zu zitieren: Nein! – Doch! – Oooh!

Calden will angeblich „an allem Sparen“

Mit diesem Aufmacher wird in der Tageszeitung aufgezählt, an welchen Stellen die Gemeinde Calden für das Jahr 2015 sparen wolle: Freibad, Gemeindehäuser, Sporteinrichtungen sowie die Ortsbeiräte sollen gestrichen oder anders organisiert werden. Begründet wird dies mit einem Minus von 1,2 Millionen Euro. Diese Summe erscheint für eine Gemeinde mit über 7000 Einwohnern [Quelle: Statistik-Hessen.de] allerdings erst einmal gar nicht so gravierend: Das wären etwa 2000 Euro pro Einwohner.

Bilanz des neuen Flughafens

Im Artikel vom Samstag tauchen auf einmal ganz andere Zahlen auf, die die Geldnot begründen: So schlug das Flughafen-Defizit für die Gemeinde Calden im Jahr 2013 mit 420 000 Euro zu Buche, die 1,2 Millionen Euro ist der gesamte in jenem Jahr aufgelaufene Verlust. Für 2014 wird sogar mit einer halben Million Euro gerechnet. Insgesamt sei die Gemeinde allerdings mit 23 Millionen Euro verschuldet, also dem rund 60-fachen des jährlichen „Flughafen-Anteils“. Woher dieser „Schuldenberg“ kommt, wird im Artikel nicht genannt, allerdings dürfte die Gemeinde Calden entsprechend ihres Anteils von 6 Prozent an der Flughafen GmbH Kassel auch an den Baukosten beteiligt gewesen sein. Und obwohl die Tageszeitung Ende 2012 vollmundig nicht endende gute Nachrichten für den Flughafen vermeldete, zitiert sie nun Caldens Bürgermeister so, dass der Flughafen bislang keine zusätzlichen Steuereinnahmen generiere.

Nur: Hätte man das nicht vor zwei Wochen schon in dem Artikel genau so drastisch auf den Punkt bringen können? Oder hätte sich die Schlagzeile „Calden muss kommunale Einrichtungen wegen Flughafen schließen“ nicht so gut verkauft?

P. S.: Wer sich noch wundern könnte

Neben der Gemeinde Calden sind auch die Stadt Kassel sowie der Landkreis mit jeweils 13 Prozent an der Flughafen GmbH beteiligt. Das Flughafen-Defizit belastet also auch direkt deren Haushalte, was soweit erst einmal keine Überraschung ist. Beide sind allerdings auch Träger des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) und finanzieren daher das nordhessische ÖPNV-Angebot mit. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 hat der NVV die „ExpressBus“-Linie 100 vom Bahnhof Wilhelmshöhe zum Flughafen Kassel-Calden eingeführt: Montag bis Freitag von früh bis spät im Stundentakt, am Wochenende alle zwei Stunden. Nun ist es kein großes Problem, die Nachfrage einer ÖPNV-Linie durch Beobachtung zu ermitteln. Zumindest im Verlauf innerhalb der Stadt Kassel sind die Gelenkbusse (typischerweise mit einer Kapazität von rund 130 Fahrgästen) meist leer unterwegs. Sofern also nicht an der Stadtgrenze oder in Vellmar reihenweise Fluggäste in den „Shuttle-Bus“ zusteigen, bezahlt der NVV hier den Transport von hauptsächlicher „heißer Luft“. Das Defizit dieser Buslinie könnte sich also zusätzlich in den kommunalen Haushalten widerspiegeln. Wobei dann trotzdem die Frage offen bleibt, wie hunderte Fluggäste 2013 zum und vom Flughafen gekommen sind.