Plädoyer für eine vernünftigere Kommentarkultur

Kommentare in kleinen Blogs funktionieren. Sie schaffen eine einfache Möglichkeit, Feedback zu erhalten und hin und wieder entwickelt sich auch eine echte Diskussion im Kommentarbereich. Kommentare sind daher eine Bereicherung für Blogs.

Für Nachrichtenseiten sind sie dies nicht. Die Kommentarbereiche vieler großer (Spiegel Online, Die Welt) und kleiner Onlinemedien (HNA.de) sind eine schlammige Pfütze aus politischen Randmeinungen und undurchdachtem Quatsch und denjenigen, die sich einfach nur gerne aufregen.

Eine politische Randmeinung zu haben ist an sich nicht verwerflich, jeder soll denken dürfen, was er oder sie will. Dasselbe gilt für dummes Zeug. (Was oft ein und dasselbe ist.) Allerdings sollten sich die Herausgeber eines Mediums fragen, ob sie diese Meinungen auf ihren Webseiten haben möchten. Schließlich sorgen sie für die Verbreitung dieser Kommentare.

Verlage mit Webangeboten, die Nutzerkommentare zulassen, agieren nicht mehr nur als Inhaltsanbieter, sondern stellen auch eine Plattform zur Verfügung. Und die Inhalte auf dieser Plattform haben Einfluss auf das Markenimage des Anbieters. Spiegel Online zum Beispiel ist in meiner Wahrnehmung nicht mehr „eine Webseite mit hochwertigen journalistischen Inhalten“, sondern „eine Webseite mit journalistischen Inhalten mit hunderten Quatschkommentaren darunter“.

Wenn die Verlage in Zukunft noch ernst genommen werden wollen, und davon werden sie abhängig sein, wenn sie Bezahlmodelle im Internet etablieren möchten, sollten sie die Qualität von Nutzerkommentaren stärker regulieren.

5 Gedanken zu “Plädoyer für eine vernünftigere Kommentarkultur

  1. Pingback: Außer Haus II

  2. Dieser „Leserstammtisch“ ist für ein Medium hoch problematisch, weil – wie oben bereits genannt – der Stil der Diskussion auf das Medium „zurückstrahlt“, schließlich wird auch äußerst fragwürdigen Meinungen eine Plattform geboten. Es ist merkwürdig, dass Medien in ihren Online-Kommentaren trotz „Netiquette“ den verbalen Mob wüten lassen, während klassische Leserbriefe redigiert werden. Online und Print sind hier nicht gleichberechtigt – und der Printleser hat den Vorteil, von so manchem verbalen Sondermüll verschont zu bleiben.

    Gleichzeitig verzerrt die in Internetkommentaren geäußerte Meinung nach meiner Ansicht das Bild eines Mediums, weil – wie auch schon oben angesprochen – hauptsächlich „Randmeinungen“ zu Tage treten. Die möglicherweise „schweigende Mehrheit“ hingegen ist gar nicht präsent, von Nichtlesern ganz zu schweigen. Die „gefühlte Temperatur“, die die Lokalzeitung zu messen versucht, ist allerdings eine ganz andere, je nach Betrachtung der vermeintlichen Leser- bzw. Zielgruppen. So kann es u.U. zu einer Art Rückkopplung kommen, die gar nicht die regionale Meinung abbildet, sondern nur ein extremes Zerrbild. Und genau dieses Zerrbild bekommen letztlich auch potenzielle Werbepartner zu Gesicht.

  3. Pingback: Der Leserstammtisch 2 - HNA Watchblog

  4. Danke das ihr euch drum kümmert. Wer die Kommentare auf der HNA-Webpage zu Artikeln beobachtet die über die Situation der Flüchtlinge im Werra-Meißner-Kreis berichtet, der merkt schnell wir problematisch es ist das der braune Mob sich dort austoben darf.

  5. Pingback: HNA-Forum bald stärker reguliert | HNA Watchblog

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